{"id":12904,"date":"2022-10-07T15:11:42","date_gmt":"2022-10-07T13:11:42","guid":{"rendered":"https:\/\/bitco3.com\/?p=12904"},"modified":"2025-04-28T13:47:52","modified_gmt":"2025-04-28T11:47:52","slug":"grundlagen-einer-it-strategie-teil-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bitco3.com\/en\/2022\/10\/07\/grundlagen-einer-it-strategie-teil-i\/","title":{"rendered":"Grundlagen f\u00fcr eine IT-Strategie zur Umsetzung des OZG in kleinen Kommunen \u2013 Teil I"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Corona-Pandemie hat aufgezeigt, wie sehr der Verwaltungsapparat in Deutschland von der Digitalisierung abgeh\u00e4ngt worden ist. Das Onlinezugangsgesetz (OZG) sollte Abhilfe leisten und die rechtliche Grundlage f\u00fcr die Digitalisierung schaffen. Doch bereits 2021 wurde erkennbar, dass eine fristgerechte Umsetzung bis Ende 2022 nicht machbar sein w\u00fcrde. Daraufhin wurden Ma\u00dfnahmen wie das \u201eEfA-Prinzip\u201c (Einer f\u00fcr alle) oder der OZG-Booster verabschiedet.<a id=\"_ftnref1\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der nachfolgende Beitrag soll Ihnen helfen, einen \u00dcberblick zu verschaffen und ein Grundverst\u00e4ndnis f\u00fcr die Ausgangslage zu erhalten. Im zweiten Teil, der sp\u00e4ter folgt, werden die Ergebnisse der Interviews dargestellt und mit dem Strategic Alignment Model von Henderson und Venkatraman zusammengef\u00fchrt. So l\u00e4sst sich ein rundes Bild zeigen und die Grundlagen f\u00fcr die Umsetzung des OZG auch in einer kleinen Kommunalverwaltung schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Kleine Kommunalverwaltungen sind die Regel und nicht die Ausnahme<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bisherigen OZG-Ma\u00dfnahmen ber\u00fccksichtigen die Belange kleiner Kommunen nur unzureichend, obwohl jene einen nicht unerheblichen Teil zur Umsetzung des OZG beitragen sollen<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. F\u00fcr Baden-W\u00fcrttemberg zum Beispiel fallen immerhin rund 85% der \u00fcber 1.000 Kommunalverwaltungen in den Bereich mit weniger als 20.000 Einwohner.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Wiederum die H\u00e4lfte der ca. 11 Mio. Einwohner in Baden-W\u00fcrttemberg leben in Gemeinden dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung. Im fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dften Bundesland Bayern fallen sogar 95% der Gemeinden in den Bereich mit weniger als 20.000 Einwohnern. Im Bev\u00f6lkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen bei ca. 45%. Es ist also deutlich, dass kleine Kommunen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung f\u00fcr die OZG-Ma\u00dfnahmen spielen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig von ihrer Gr\u00f6\u00dfe haben Kommunen ein bestimmten Anzahl an Aufgaben zu erledigen. Diese unterscheiden sich in Weisungs-, Pflicht- und Kann-Aufgaben. Des Weiteren unterscheiden sie sich, vereinfacht gesagt, im Grad der Selbstbestimmung der Kommune. Gerade im Bereich der sog. Weisungsaufgaben muss demnach eine Kommune mit 2.000 Einwohnern grunds\u00e4tzlich dieselben Leistungen f\u00fcr ihre B\u00fcrger erbringen wie eine Kommune mit 200.000 Einwohnern. An dieser Stelle setzt dieser Beitrag an und fasst die Erkenntnisse zu IT-Strategien f\u00fcr kleine Kommunen zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Untersuchte Hypothese: Auch kleine Kommunen k\u00f6nnen eine IT-Strategie umsetzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Beantwortung der Frage wurde die Hypothese aufgestellt, dass sich grunds\u00e4tzlich eine IT-Strategie auch in kleinen Gemeinden realisieren l\u00e4sst, um dadurch den Anforderungen des OZG gerecht zu werden. Die Antwort der Frage l\u00e4sst sich in Voraussetzungen und Ma\u00dfnahmen zu den Umsetzungen einer IT-Strategie bewerten. Die Forschungsfragen lauten wie folgt.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Was sind die Treiber und Hemmnisse der Digitalisierung in der \u00f6ffentlichen Verwaltung?<\/li><li>Wer sind die Entscheidungstr\u00e4ger und haben diese eine entsprechende Sensibilisierung f\u00fcr das Thema?<\/li><li>Wie k\u00f6nnte eine IT-Strategie im Kontext des OZG aussehen?<\/li><li>Wie lauten die daraus resultierenden Anforderungen?<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Was sind die Treiber und Hemmnisse der Digitalisierung in der \u00f6ffentlichen Verwaltung?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die in der Literatur und durch Interviews identifizierten Treiber und Hemmnisse lassen sich in drei Bereiche gliedern. Diese wurden als <strong>Politik<\/strong>, <strong>Organisation<\/strong> und <strong>Soziales<\/strong> bezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Treiber und Hemmnisse im Bereich <strong>Politik<\/strong> sind h\u00e4ufig auf rechtliche Vorgaben zur\u00fcckzuf\u00fchren und sind grunds\u00e4tzlich eher starr, k\u00f6nnen sich aber in Folge von z.B. Wahlen neu ausrichten. Als besondere Treiber werden hier die Einforderung durch das Management als auch der grundlegende Anspruch an eine technisch aktuelle Verwaltung gesehen. Auf Seiten der Hemmnisse stehen dagegen die erw\u00e4hnten gesetzlichen Vorgaben und der \u00fcberschaubare Planungshorizont, der sich aufgrund von Wahlen z.B. \u201eregelm\u00e4\u00dfig\u201c \u00e4ndern kann. Beispielsweise kann ein Regierungswechsel dazu f\u00fchren, dass bisherige Anstrengungen neu ausgerichtet werden m\u00fcssen. Durch von uns gef\u00fchrte Interviews zeichnet sich ein \u00e4hnliches Bild ab. Zudem wird hier als Hemmnis h\u00e4ufig auch der Vergleich mit anderen Kommunen genannt. Dies ist deshalb als Hemmnis zu verstehen, da scheinbar niemand den ersten Schritt gehen will. Und wenn alle z\u00f6gerlich handeln, befindet man sich hierbei scheinbar in guter \u201egleichgesinnter\u201c Gesellschaft und es entsteht ebenfalls kein Handlungsdruck.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bereich der <strong>Organisation<\/strong> sieht B\u00fcrokratieabbau und Prozesseffizienz als wichtigste Treiber an. Ihnen stehen jedoch starre Verwaltungsstrukturen und ein Silo-Denken als Hemmnis gegen\u00fcber. In den Interviews wird als gr\u00f6\u00dfter Treiber die interkommunale Zusammenarbeit genannt. Zudem decken sich auch hier die Aussagen mit der Literatur, dass ein Silo-Denken die Digitalisierung hemmt. Auch wurde genannt, dass fehlende Verantwortlichkeiten in den befragten Kommunen als Hemmnis bei Digitalisierungsbem\u00fchungen gesehen werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den dritte Bereich <strong>Soziales<\/strong> sieht die Literatur vor allem die Treiber bei der Arbeitgeberattraktivit\u00e4t bei den Bem\u00fchungen um Fachkr\u00e4fte. Ein moderner Arbeitsplatz kann helfen, auf sich aufmerksam machen. Dies wirkt sich auch auf den Treiber Fachkr\u00e4ftemangel aus, da die Digitalisierung schlanke und effiziente Prozesse f\u00f6rdern kann, wodurch fehlende Fachkr\u00e4fte, zumindest stellenweise, kompensiert werden k\u00f6nnen. Allerdings stehen diesen Treibern Hemmnisse in Form von z.B. einer zunehmenden Arbeitsbelastung der Mitarbeiter entgegen, weil den Kommunalverwaltungen immer mehr Aufgaben \u00fcbertragen werden. Auch ein gewisser fehlender Ver\u00e4nderungswille sei in den Kommunalverwaltungen vorhanden. Auch aus den Interviews kommen \u00e4hnliche R\u00fcckmeldungen. Hier wurde von negativer Gruppendynamik und einer gewissen Passivit\u00e4t der Mitarbeiter gesprochen, wenn es um die Umsetzung neuer Projekte geht. Dies wird hier allerdings mit fehlenden Kapazit\u00e4ten begr\u00fcndet und nicht, wie in der Literatur, mit dem Ver\u00e4nderungswillen der Mitarbeiter. Aber auch aus den Interviews ergaben sich Treiber, wie z.B. das aktive Einfordern von Ver\u00e4nderungen und Umsetzungen der F\u00fchrungskr\u00e4fte. Nicht zuletzt wurde ebenfalls das Schaffen von vollendeten Tatsachen, wiederum durch die F\u00fchrungskr\u00e4fte, als ein m\u00f6glicher Treiber genannt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Wer sind die Entscheidungstr\u00e4ger und haben diese eine entsprechende Sensibilisierung f\u00fcr das Thema?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der letztgenannte Punkt dient als sch\u00f6ner \u00dcbergang zur n\u00e4chsten Forschungsfrage nach den verantwortlichen Entscheidungstr\u00e4gern und deren Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Digitalisierungsthemen im Allgemeinen, aber auch f\u00fcr das Thema der OZG-Umsetzung. In der Literatur werden als verantwortliche Personen B\u00fcrgermeister oder leitende Verwaltungsmitarbeiter genannt. Allerdings geht der Trend dahin, dass dort h\u00e4ufig eine entsprechende Sensibilit\u00e4t nicht vorhanden sei. Auch wird in der Literatur von einem Generationenproblem gesprochen, da tendenziell Personen in den verantwortlichen Positionen sind, die noch eher \u201eanalog\u201c aufgewachsen sind. Aus den Interviews ergibt sich bei den Verantwortlichen ein \u00e4hnliches Bild. Jedoch wird hier auch die IT ins Spiel gebracht, wenn es um die Umsetzung von Digitalisierungsprojekten geht. In den Interviews zeigt sich bei den Verantwortlichen eine grunds\u00e4tzliche Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die Themen rund um Digitalisierung. Jedoch fehlt es h\u00e4ufig am Antrieb diese umzusetzen, was nicht zuletzt auf eine fehlende Notwendigkeit zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es zeigt sich also, dass sich die Entscheider der Bedeutung der Digitalisierung durchaus bewusst sind. Ein gewisser Trend, dass es aber noch an der notwendigen Relevanz bei der Umsetzung fehlt, l\u00e4sst sich allerdings auch erkennen. Wie die Erkenntnisse zu den Treibern und Hemmnissen in einer Umsetzungsstrategie angewandt werden k\u00f6nnen, erfahren Sie zeitnah im zweiten Teil der Grundlagen f\u00fcr eine IT-Strategie zur Umsetzung der Anforderungen des OZG in kleinen Kommunen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> https:\/\/www.onlinezugangsgesetz.de\/Webs\/OZG\/DE\/grundlagen\/nachnutzung\/efa\/efa-node.html<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> https:\/\/kommunal.de\/onlinezugangsgesetz-kommunen-sind-verunsichert<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Statistisches Landesamt Baden-W\u00fcrttemberg<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a id=\"_msocom_1\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Corona-Pandemie hat aufgezeigt, wie sehr der Verwaltungsapparat in Deutschland von der Digitalisierung abgeh\u00e4ngt worden ist. Das Onlinezugangsgesetz (OZG) sollte Abhilfe leisten und die rechtliche Grundlage f\u00fcr die Digitalisierung schaffen. Doch bereits 2021 wurde erkennbar, dass eine fristgerechte Umsetzung bis Ende 2022 nicht machbar sein w\u00fcrde. 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