Die Digitalisierung wird als Gewinner der Corona-Krise statuiert. Jedoch kann Digitalisierung nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Wie im vorangegangenen Beitrag erläutert ist das Enterprise Architecture Management (EAM) die Basis erfolgreicher Digitalisierungsmaßnahmen. Doch auch wenn EAM meist als sehr technisch angesehen wird, ist auch die strategische Betrachtung ausschlaggebend, um die Digitalisierung im Zusammenspiel mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens voranzutreiben. Denn IT-Strategie ist nicht nur eine Aufgabe der IT-Abteilung, sondern kann nur in Zusammenarbeit mit den Fachbereichen funktionieren. Welchen Beitrag können Business Capabilities hierzu beisteuern?

Was sind Business Capabilities überhaupt?

Wie der Name bereits impliziert, handelt es sich bei Business Capabilities um die Fähigkeiten eines Unternehmens. Sie beschreiben, „was“ ein Unternehmen tun kann oder besitzt, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Meist sind sie statisch und über einen längeren Zeitraum gültig. Business Capabilities bestehen aus dem Zusammenspiel zwischen Prozessen, Menschen und Technologie und können als Abstraktion einer Business Function angesehen werden. Unter einer Business Function wird dahingegen ein Prozess oder Vorgang verstanden, der routinemäßig durchgeführt wird, um einen Teil der Mission einer Organisation zu erfüllen wie beispielsweise Marketing, Sales oder Human Resources [1]. Es geht hier jedoch nicht konkret darum zu beschreiben, was getan wird. Unser nächster Beitrag dieser Blogreihe beschäftigt sich nochmals deutlicher mit deren Abgrenzungen.

Wie kann man Business Capabilities darstellen?

Zunächst ist es wichtig, dass Business Capabilities unabhängig voneinander sind. Sie werden von Business Functions ausgeführt und beschreiben, „was“ diese tun, um die strategischen Ziele des Unternehmens zu erreichen. Sie sind also direkt mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens verknüpft, weshalb eine wichtige Frage bei ihrer Formulierung ist, „welche Fähigkeiten notwendig sind, um der Strategie zu folgen“. Zur einfachen Verständlichkeit ist es sinnvoll Business Capabilities als Kombination aus Verb und Substantiv zu formulieren. Das „wie“, also wie Business Capabilities operationalisiert werden, stellen Prozesse und konkrete Projekte dar.

Wozu benötigt man Business Capabilities?

In der Praxis haben wir gesehen, dass meist die Verknüpfung zu den Business Functions essenziell ist, um mit dem Fachbereich über das „was“ zu sprechen. Business Capabilities können daher als gemeinsame Sprache für Business und IT genutzt werden und so als Basis für Diskussion und Planung dienen. Dadurch können die Bedürfnisse des Business besser dargelegt werden und IT-Lösungen diesen entsprechend gestaltet werden.

Zudem ermöglichen es Business Capabilities einen Überblick darüber zu bekommen, was ein Unternehmen gerade tut und was getan werden muss, um die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen zu meistern. Business Capabilities helfen dabei zu strukturieren, wie das Business und auch die IT sich entwickeln müssen, um innovativ und zukunftsorientiert zu handeln.

Durch die Betrachtung aus strategischer Sicht einerseits und dem direkten Zusammenhang mit operativen Prozessen und Projekten andererseits, bilden Business Capabilities außerdem die Verbindung zwischen Strategie und deren Ausführung. Diese Schnittstelle ermöglicht es die richtigen Ressourcen zum richtigen Zeitpunkt abzurufen. Durch das Strukturieren der IT-Architektur mithilfe von Business Capabilities, können Redundanzen in der IT sowie Risiken aufgedeckt werden.

Die Business Capability als Herzstück trägt zur nachhaltigen Digitalisierung bei

Die positiven Effekte, die die Formulierung von Business Capabilities mit sich bringt, sind demnach vielfältig, vor allem damit IT-Strategie und EAM keine Aufgabe bleibt, die rein in der IT-Abteilung gestaltet wird. Durch die zentrale Stellung der Business Capability innerhalb der IT-Architektur und der Schnittstellenfunktion zwischen strategischer Ausrichtung und operativem Geschäft kann sie sicher als ein Herzstück für ein funktionierendes Architekturmanagement angesehen werden und trägt zur nachhaltigen Digitalisierung bei.  Um das Zusammenspiel zwischen Prozessen, Menschen und Technologie genauer zu betrachten, folgt im nächsten Beitrag die Einbettung von Business Capabilities in die IT-Architektur an einem Praxisbeispiel.

Hier geht es zur Beitragsreihe Erfolgreiche Digitalisierung mit EAM & Business Capabilities?!

[1] Definition Business Function

Weitere Quellen: The TOGAF® Standard, Version 9.2

Autorin: Constanze Riedinger