„Einen Elefanten isst man Stück für Stück“ ist ein geläufiges Sprichwort. Es steht sinnbildlich für die Bewältigung großer Herausforderungen durch sukzessives und stetiges Abarbeiten aller dazugehörigen kleinen Schritte. Leider hält das Sprichwort Informationen zurück. Welche Stücke des Elefanten sind wichtig? Wie wird mit den sich ständig ändernden Umweltbedingungen umgegangen? Ist der Elefant die richtige Ernährung? Ok, ein Sprichwort auseinander zu nehmen ergibt wenig Sinn, aber die Fragen sind durchaus berechtigt. Niemand möchte unzufrieden im Regen stehen und auf einem Elefantenfuß kauen. 

Für Organisationen ist die Digitalisierung definitiv ein Elefant. Der Regen sind neue Technologien, dynamische Märkte und disruptive Geschäftsmodelle. Und der Elefantenfuß? Mit etwas Glück ein Digitalisierungsprojekt mit der vierten Laufzeitanpassung und explodierenden Kosten. Mit etwas Pech ein Geschäftsmodell, das im Informationszeitalter schlicht nicht mehr gebraucht wird.

Schlüsselelemente sind die Vision und deren Umsetzung!

Zum Schutz vor gescheiterten Projekten oder schlimmer gescheiterten Geschäftsmodellen gibt es zwei Schlüsselelemente: Vision und Umsetzung. Zuerst muss die Vision klar sein: Welcher Zustand soll durch die Digitalisierung erreicht werden? Der Umgang mit dieser Fragestellung wird in der Blogreihe: Digitalisierung und Enterprise Architecture Management näher beleuchtet. Ist die Vision klar, muss sie umgesetzt werden: Wie wird dieser Zustand erreicht?  

Eine Vision diszipliniert und konsequent umzusetzen ist anspruchsvoll. Starre Budgets, Planungen auf Jahresbasis, verstopfte Projektportfolien oder die fehlende Akzeptanz der Mitarbeiter behindern die Umsetzung und sind Symptome vertikaler und horizontaler Intransparenz. Einen flexiblen und dynamischen Ansatz Visionen zu verwirklichen, bietet die MethodeObjectives & Key Results“, kurz OKR. Die Mechanik der Methode ist simpel und leicht skalierbar. Objectives sind Ziele, die definieren was erreicht werden muss, um der Vision näher zu kommen. Key Results sind Ergebnisse, die definieren wie ein Objective erreicht wird. ¹ 

Den zeitlichen Rahmen für OKR bilden Sprints. Nach Doerr sind vierteljährliche Sprints besonders gut „geeignet um mit den sich permanent verändernden Märkten Schritt halten zu können“ , letztlich hängt der geeignete Takt allerdings an Organisationskultur und -kontext ². Die Unternehmensvision und obersten OKRs werden durch das Management definiert. Die Mitarbeiter-OKRs können sich daraus ableiten oder werden von den Mitarbeitern selbst definiert und an der Vision ausgerichtet. Definierte OKR gelten für einen Sprint. Zu Beginn des nächsten Sprints werden neue OKR definiert. OKR werden als oberste Priorität bei den Anwendenden manifestiert. Durch diese Verbindlichkeit wird der Fokus klar auf die Vision ausgerichtet. Soweit das theoretische Grundgerüst.

Jetzt ist jeder direkt startklar, oder?

OKR ist eine agile Methodik. Das heißt sie räumt eine gewisse inhaltliche Flexibilität ein. Sie ermöglicht dem Anwender, den gesamten Weg bis zur umgesetzten Vision nicht vollständig kennen zu müssen. Dadurch kann auf Änderungen der Rahmenbedingungen reagiert werden, ohne Gefahr zu laufen, zu stark vom Kurs abzukommen. Doch wie bei jeder agilen Methode kann ein falsches bzw. uneinheitliches Verständnis oder eine schwammige, lasche Umsetzung den Erfolg massiv beeinträchtigen oder die Initiative zum Stillstand bringen.

 Die richtige Implementierung ist entscheidend!

Entscheidend ist also die richtige Implementierung! Die Voraussetzungen für eine richtige Implementierung sind Verantwortungsbewusstsein, strukturelle Flexibilität und die Akzeptanz aller Beteiligten auf allen betroffenen Hierarchieebenen. Wie genau diese Voraussetzungen Einfluss auf die Implementierung haben, wie Best Practices aussehen und ob man Elefanten wirklich essen muss, sind Inhalte der mit diesem Beitrag gestarteten Blogreihe „Digitalisierung umsetzen – agile IT-Steuerung mit Objectives & Key Results“.

¹ DOERR, John. OKR: Objectives & Key Results: Wie Sie Ziele, auf die es wirklich ankommt, entwickeln, messen und umsetzen. Vahlen, 2018. S. 27

² DOERR, John. OKR: Objectives & Key Results: Wie Sie Ziele, auf die es wirklich ankommt, entwickeln, messen und umsetzen.  Vahlen, 2018. S.81

Autor: Justus Leonhardt