Das Management der Unternehmensarchitektur unterstützt sowohl Konzerne als auch KMU bei der Angleichung von IT- und Unternehmensstrategie. Dafür ist es notwendig, dass in einem ganzheitlichen Ansatz alle Beteiligten - insbesondere die Mitarbeiter in den Fachabteilungen - miteingebunden werden. Eine mögliche Lösung hierfür sind Communities of Practice.

Eine  Community of Practice (CoP) ist eine Gruppe von Gleichgesinnten in einem Unternehmen, die sich über ein bestimmtes gemeinsames Interessensthema austauscht.

Die Nutzung von CoPs ist keine völlig neue Idee, gewinnt jedoch durch agile Vorgehensweisen wie SRCUM oder KANBAN sowie die Notwendigkeit für Unternehmen systematisches Wissensmanagement zu betreiben zunehmend an Popularität. In diesem Blogbeitrag wollen wir den Nutzen von CoP für das Enterprise Architecture Management betrachten.

Das Besondere an einer CoP ist, dass sie teamübergreifend und unabhängig vom Aufgabenbereich des Einzelnen stattfindet. Die Mitglieder teilen ihr Wissen zu einem bestimmten Thema, informieren sich über auftretende Probleme und diskutieren über mögliche Lösungen für diese Probleme. Durch das gebündelte Know-How der Mitarbeiter werden Probleme schneller und effizienter gelöst. Nach Wenger1 hat eine CoP drei Hauptmerkmale: Domain, Community und Practice.

- Die Domain beschreibt das gemeinsame Interesse oder Interessensgebiet der CoP.

- Mitarbeiter, die sich für diese Domain interessieren und sich selbst dazu entscheiden sich dabei aktiv einzubringen, bilden die Community. Daher besteht diese im Gegensatz zu formalen Arbeitsgruppen oder Projektteams nicht aus festgelegten Mitarbeitern.

- Practice beschreibt die Fähigkeiten, das Wissen und die Erfahrungen, die sowohl von den einzelnen Beteiligten in die CoP mitgebracht werden als auch solche, die sich erst dort entwickeln.

Wie bereits in einem unserer früheren Blogbeiträge² erläutert, ist das Management der Unternehmensarchitektur (Enterprise Architecture Management EAM) die Basis für eine erfolgreiche Digitalisierung. Dies gilt sowohl für große Konzerne als auch für KMU. Dabei ist es nicht nur wichtig die IST-Architektur zu erheben, sondern auch eine Vision für die Zielarchitektur und ein Konzept für den Übergang zu entwickeln. Hierbei ist es essenziell, dass Unternehmen schnell auf etwaige Marktveränderungen oder interne Reformanstöße reagieren können und dementsprechend die IT-Landschaft anpassen. Das Problem in vielen Unternehmen ist jedoch, dass die Zielarchitektur und der Weg dorthin oft nur von einzelnen Managern oder der IT-Abteilung aktiv verfolgt wird.

Für eine erfolgreiche Umsetzung einer anpassungsfähigen und effizienten Enterprise Architecture braucht es jedoch einen ganzheitlicheren Ansatz, der alle Beteiligten - insbesondere die Mitarbeiter in den Fachabteilungen - mit einbindet. Denn gerade Sie sind von den Veränderungen am meisten betroffen und können durch ihre Anwendungserfahrung konstruktiv zur erfolgreichen Umsetzung beitragen. Problematisch ist jedoch die Komplexität des Themas und der hohe Abstraktionsgrad, der eine Auseinandersetzung mit dem Thema für Fachfremde erschwert.

Hier zeigt sich der Nutzen von Architecture Communities, also Communities of Practice, die sich der Domain Enterprise Architecture verschreiben.

Sie können komplementär zu funktionalen Teams und Projektteams im Unternehmen wirken und geben interessierten Mitarbeitern die Möglichkeit sich aktiv an der Gestaltung der Zielarchitektur zu beteiligen. So wird Interessierten ein leichterer Einstieg geboten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und sich ihm zu nähern. Durch die Einbindung von Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen sind Architecture Communities außerdem zwangsläufig gezwungen, eine gemeinsame Sprache zu definieren, die es allen erlaubt, in die Diskussion einzusteigen. Nur so ist es möglich Wissen und Erfahrungen sinnvoll auszutauschen.

Obwohl CoP informell und selbstorganisiert agieren, ist es sinnvoll, dass Unternehmen potenzielle Communities fördern und eine Infrastruktur zum Austausch ermöglichen. Außerdem können sie die notwendige gemeinsame Sprache durch vorhandene Strukturen, wie Regelmeetings zur Besprechung der Zielarchitektur zwischen Fachbereich und IT etablieren, welche dann in die CoP getragen wird. Dadurch entstehen in Architecture Communities Plattformen, die jedem Mitarbeiter ermöglichen über EAM zu sprechen, Verantwortung zu übernehmen, kreativ Probleme zu lösen und dadurch zum Gelingen der EAM-Ziele beizutragen.

Der Weg zu einem ganzheitlicheren Ansatz des EAM ist also die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern unternehmensübergreifend zu verbessern und die Infrastruktur für einen Wissensaustausch über EAM bereitzustellen, ohne dabei die Mitarbeiter dazu zu verpflichten. Vielmehr setzt man auf deren intrinsische Motivation. CoPs bieten dabei einen leichten Einstieg für Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen, überwinden dabei Abteilungsgrenzen und helfen, die Mitarbeiter für EAM zu sensibilisieren und sich gemeinsam in eine gemeinsame Richtung zu bewegen.

¹ https://wenger-trayner.com/introduction-to-communities-of-practice/
² https://bitco3.com/de/news/2016/11/30/digitalisierung-und-enterprise-architecture-management-der-zusammenhang/
Bildquelle: https://rarsus.com/wp-content/uploads/2018/07/crowdfunding

Autorin: Constanze Riedinger